Im Oktober 2024 wurde ein neuer Pilgerweg eröffnet, der von Pfullingen, dem Geburtsort des Hl. Wolfgang, nach Regensburg, dem Ort seiner Grablege führt. Aus Anlass des 1100. Geburtstags des Hl. Wolfgang wurde dieser Weg von einem ehrenamtlichen Team der Kirchengemeinde St. Wolfgang in Pfullingen eingerichtet. Er führt über 340 km in 19 Tagesetappen mit durchschnittlich 18 km vom Nordrand der Schwäbischen Alb über die Alb zur Donau und schließlich an der Donau entlang an den Zielort Regensburg. Von dort schließt er an ein altes Wegenetz von Pilgerwegen an, deren Ziel St. Wolfgang im Salzkammergut im Mittelalter eines der meist besuchten Wallfahrtsziele war.
Schöne Landschaften, interessante Städtchen wie Bad Urach, Geislingen, Dillingen, Donauwörth, Ingoldstadt und spirituelle Impulse liegen am Weg. Auch das Kloster Weltenburg und mehrere Wolfgangskirchen sind unterwegs einen Besuch wert. Auf der Homepage zugehörigen sind die einzelnen Etappen beschrieben. Dort findet man auch Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten. Eine Karte und ein gps-Track können heruntergeladen werden.
Den Pilgerweg gibt es übrigens auch in einer Fahrrad-Variante, die auf leicht veränderter Route verläuft und zum gleichen Ziele führt. Auch hierzu finden sich alle wichtigen Details unter https://www.wolfgangweg.eu/
Der Heilige und der Pilgerweg
Von Pfullingen nach Europa
Begabter Junge aus dem beschaulichen Pfullingen wirkt in vielen Teilen Europas – das ist das Leben des heiligen Wolfgang in Kürze. Um 924 geboren, erhielt er in Pfullingen seinen ersten Unterricht, brach schon mit zehn Jahren in die berühmte Klosterschule auf der Insel Reichenau auf. Mit seinem Freund Heinrich von Babenberg ging er zehn Jahre später an die Domschule nach Würzburg. Als Heinrich 956 Erzbischof in Trier wurde, übernahm Wolfgang (als Laie!) dort die Ausbildung der Kleriker - mit klaren Reformbemühungen für ein stärker geistliches Leben. Nach einem nur kurzen Aufenthalt in der kaiserlichen Kanzlei in Köln trat er kaum ein Jahr später in das neu gegründete Kloster Einsiedeln ein. Dort wurde er, schon in seinen Vierziger-Jahren, 968 zum Priester geweiht. Von einer wenig erfolgreichen Missionsreise nach Ungarn wurde er 972 nach Regensburg gerufen und dort zum Bischof ernannt und geweiht. Zwei Entscheidungen prägten seine Arbeit in den ersten Jahren: die Abtrennung Böhmens in ein neues Bistum Prag, sowie die Reform des Klosters Emmeram durch einen neu eingesetzten Abt. Eine Visitationsreise nach Oberösterreich konnte er nicht mehr durchführen; 994 starb er unterwegs – in Pupping an der Donau.
Wolfgang – Freigebigkeit, Bescheidenheit, Reformwille, Glaube
Im Leben des heiligen Wolfgang kommen immer wieder Charakterzüge, Haltungen zum Ausdruck, die auch für heutige Menschen vorbildhaft sein können. Da ist zuerst die Bereitschaft, seine Fähigkeiten in den Dienst anderer zu stellen. Wolfgang hat schon in Jugendjahren großes Wissen angesammelt, das bald, so wird erzählt, sogar das seiner Lehrer überragte. Doch er behielt es nicht für sich, sondern gab es weiter, war zeitlebens auch Lehrer und Erzieher: in Trier, im Kloster Einsiedeln, selbst als Bischof von Regensburg, wo er die Kinder des Bayernherzogs erzog. Karriere, Macht und Reichtum interessierten Wolfgang nicht; er verstand sich als Diener der Menschen. So hat er den Aufstieg in die kaiserliche Kanzlei schon nach kurzer Zeit beendet und ging als einfacher Mönch in das Kloster Einsiedeln. Und als Bischof von Regensburg verzichtete er mit der Abtrennung des Bistums Prag und der Aufgabe des Abtamtes von St. Emmeram auf Einfluss und Besitz. In dem „dunklen Jahrhundert“, in dem Wolfgang lebte, hatte er den Mut, neue Wege zu gehen. Er stellte sich gegen die Verwilderung der Sitten, die Verweltlichung der Klöster, den Streit mit den Fürsten – und setzte eine Reform klösterlichen Lebens mit klarem Fokus auf die geistigen und geistlichen Aufgaben in seinem Bistum durch. Alles Leben und Wirken hatte für Wolfgang freilich eine eindeutige Mitte, aus der heraus er seinen Dienst an den Menschen verstand: die Verkündigung des Evangeliums und die Verankerung im christlichen Glauben.
Bereits im Mittelalter entstand ein Netz von Pilgerwegen um das wechselvolle Leben und Wirken des heiligen Wolfgang. Um 924 geboren in Pfullingen war er in vielen Teilen Europas tätig: von der Klosterschule Reichenau bis in die kaiserliche Kanzlei in Köln, dann zurückgezogen als Mönch in Einsiedeln und Missionar in Ungarn – und später als Bischof von Regensburg, der die Einsiedelei am heutigen Wolfgangsee liebte. Nach seinem Tod 994 wurden schnell fromme Geschichten über ihn erzählt; am bekanntesten ist wohl die seines Axtwurfes vom Falkenstein oberhalb des Wolfgangsees und dem Versprechen, an der Stelle des Auftreffens eine Kirche zu bauen. So wurde die Kirche im heutigen St. Wolfgang zum Zentrum der Wolfgangverehrung und das gemeinsame Ziel der europäischen Wolfgangwege aus Deutschland, Italien, aus der Schweiz, Ungarn, Tschechien und in Österreich. Vor allem im 14. und 15. Jahrhundert nahm das Wolfgangspilgern besonderen Aufschwung, der freilich nach Reformation und Säkularisation wie auch auf anderen historischen Pilgerwegen fast zum Erliegen kam.
Anfangs der 2020er-Jahre brachte eine Initiative aus Pfullingen neuen Schwung in das „Wolfgangspilgern“. Denn sie nahm sich vor, rechtzeitig zum 1.100 Geburtstag des Heiligen im Jahr 2024 einen neuen WolfgangWeg einzurichten, der nicht die von Wolfgang selbst begangenen Stationen aufgreifen, nicht über historisch belegte Wege führen und auch nicht auf die Legenden über den Heiligen Bezug nehmen sollte, sondern seinen Geburtsort Pfullingen mit der Grablege im Kloster St. Emmeram in Regensburg verbindet.
Natürlich ging es dabei zunächst um die Suche nach Wegen, die – in wechselnde Landschaften eingebettet – die Natur in ihrer Vielfalt, in ihrer Schönheit und friedlichen Ruhe zeigen und so die Menschen zur Besinnung über sich und die Welt animieren sollten. Die liebevoll gepflegten Streuobstwiesen der Voralb, die trotzige Kargheit der Albhochfläche, die von der Natur geschaffenen Felsskulpturen im Eselsburger Tal, die fruchtbaren Auen der ruhig vor sich hinfließenden Donau oder die überraschende Engstelle des Donaudurchbruchs bei Weltenburg sind nur einige der Höhepunkte des neuen Pilgerwegs.
Und an den Start- und Zielpunkten der Pilgeretappen wird in historisch bedeutsamen Städten Halt gemacht: in der mittelalterlichen württembergische Residenzstadt Bad Urach mit Schloss und historischem Ortskern, im seit Jahrhunderten bekannten Pilgerzentrum Donauwörth, in der Residenzstadt Neuburg an der Donau mit ihrem Renaissanceschloss, in der ehemaligen Herzogsstadt und dem heutigen Industriestandort Ingolstadt – und natürlich im UNESCO-Kulturerbe Regensburg mit dem mächtigen Dom St. Peter, der ältesten Steinbrücke und der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstadt Deutschlands. Und viele verträumte kleine Orte säumen den Weg und laden zur Rast.
Der Weg führt vorbei an vielen Wolfgangskapellen und -kirchen, um die Verehrung des Heiligen und deren Wandel in der Zeit aufzuzeigen. Im württembergischen Teil des Pilgerwegs findet sich nur eine am Startort Pfullingen. Ab der Donau häufen sie sich und vor allem mit zunehmender Nähe zu Regensburg, wo der heilige Wolfgang einer der Diözesanpatrone ist: eine moderne Kirche in Syrgenstein, eine Kapelle in Dillingen an der Donau, eine Klosterkirche in Neuburg an der Donau, eine Kirche in Großmehring mit wunderschönen Mosaiken, Kirchen in Sittling, Arresting und Eilsbrunn – und kurz vor dem Ziel ein expressionistischer Kirchenbau aus dem Jahr 1939 in Regensburg-Kumpfmühl mit beeindruckenden Glasrosetten und einer den Kirchenraum dominierenden Wolfgangsstatue.
Nicht zuletzt war es ein Ziel der Weggestaltung, Orte der spirituellen Einkehr, der religiösen Besinnung zu schaffen, etwa in der bekannten Wallfahrtskirche Ave Maria in Deggingen oder der Benediktiner-Abtei in Weltenburg mit ihrer prächtigen Georgsskulptur auf dem Hochaltar der Klosterkirche.
Im Zentrum der Impulse sollte jedoch Wolfgang selbst stehen – und die Frage, wie er mit seinem Leben und Wirken, seiner Haltung und seinen Botschaften heutige Menschen inspirieren könnte. An allen Etappenorten wurden Tafeln aufgestellt, an der Kirche, einem zentralen Platz oder am Ortseingang, die zur Besinnung einladen: mit Impulsfragen für Menschen von heute, angelehnt an Wolfgangs Leben und Wirken:
Der neue WolfgangWeg wurde als Pilgerweg für Wanderer und für Radfahrer eingerichtet – mit dem Start in Pfullingen auf dem neu gestalteten Platz der Wolfgangskirche mit der Skulptur des aufbrechenden jungen Wolfgang, der so zum Symbol für die aufbrechenden Pilger wird. Einen Pilgersegen erteilt der Pfarrer von St. Wolfgang auf rechtzeitige Nachfrage und bei terminlicher Verfügbarkeit.
Der Wanderweg umfasst 19 Etappen mit einer Länge von je meist unter 20 Kilometern, die für „Normalwanderer“ gut machbar sind, auch wenn – vor allem für die Albaufstiege in den ersten Etappen – Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich sind.
Er führt auf durchgängig markierten Wegen am Albtrauf entlang nach Bad Urach, über die Alb ins Filstal – und von Geislingen über die Albhochfläche ins Donautal. Vorbei an Donauwörth, Neuburg an der Donau und Ingolstadt endet er schließlich an der Grablege Wolfgangs in der Basilika St. Emmeram in Regensburg. Die Etappenziele sind allesamt so gewählt worden, dass ausreichend Unterkünfte vorhanden und öffentliche Verkehrsmittel gut erreichbar sind (→ Informationen zum WolfgangWeg).
Mit einer Staffelpilgertour im Oktober 2024 wurde der neue WolfgangWeg – passend zu den 1.100-Jahr-Feierlichkeiten – eingeweiht.
Sehr schnell kam bei der Planung des Wanderpilger-Wegs der Wunsch auf, ihn auch als Radpilgertour zu gestalten, um Menschen das Pilgern zu ermöglichen, die – aus welchen Gründen auch immer – den Weg nicht (mehr) laufend, sondern Rad fahrend absolvieren wollen. Er verläuft parallel zum Wanderpilgerweg auf durchgängig markierten Radwegen in sechs Etappen mit durchschnittlich 65 Kilometern – und teilt mit ihm die Etappenziele Wiesensteig, Giengen an der Brenz, Donauwörth, Ingolstadt, Kelheim und Regensburg.
An den ersten beiden Tagen ist jeweils ein Albaufstieg zu absolvieren, die weiteren Etappen sind jedoch flach und leicht zu bewältigen. Auch der WolfgangRadWeg ist gut dokumentiert, im Internet leicht zu finden, mit Etappenbeschreibungen einschließlich der GPS-Daten zum Herunterladen, mit Übernachtungsmöglichkeiten, mit vielfältigen Tipps zur Vorbereitung – gewissermaßen „ready to bike“.
Eine Gruppe von Radpilgern hat den WolfgangRadWeg im Mai 2025 eröffnet.
Auch wenn vieles vorgedacht ist, die Planung und Vorbereitung einer eigenen Pilgertour braucht Zeit und Aufwand. Vieles muss bedacht werden: Wie verläuft der Weg und wo finde ich eine Beschreibung? Wo finde ich GPS-Daten? Wo erhalte ich einen Pilgerausweis oder sonstige Pilgerutensilien? Wo sind Stempelstellen zur Dokumentation der Pilgertour? Welche Unterkünfte gibt es an den Etappenorten? Welche Rückfahrmöglichkeiten gibt es? Kann der Pilgerweg auch aufgeteilt werden? Zum Beispiel auf drei Wochentouren?
Was sollte an Ausrüstung und Kleidung eingepackt werden? Dazu hier nur ein zusammenfassender Tipp: gut eingelaufene Schuhe sind wichtig – und so wenig Gepäck wie möglich empfehlenswert. Denn einen Gepäcktransport gibt es nicht.
Welche Besonderheiten gelten für den WolfgangRadWeg? Gibt es GPS-Daten für Navigations-Apps zum Herunterladen? Was muss bei der Ausstattung des Fahrrads beachtet werden? Und auch für die Radfahrer gilt, nur soviel Gepäck mitzunehmen, wie auf dem Fahrrad transportiert werden kann.
Viele Informationen sind auf der Webseite www.wolfgangweg.eu zusammengestellt.