Ein Unikat nimmt Abschied – Der Pfullinger Peoplemover wurde abgebaut, ein Turm zieht um aufs Hortense-Areal

Städtische Mitteilungen

Nach über zwei Jahrzehnten ist vergangenen Woche in Pfullingen ein Stück Technikgeschichte zu Ende gegangen: Der sogenannte Peoplemover – im Volksmund liebevoll „Nomlupfer“ genannt – wurde abgebaut, größtenteils in seine Einzelteile zerlegt und abtransportiert. Damit endet das Kapitel eines besonderen Verkehrsprojekts, das seit 2001 den nördlichen Stadteingang Pfullingens prägte.

Zwei Kranwagen waren im Einsatz, um die markante Konstruktion, eine Mischung aus Aufzug und Brücke, Stück für Stück zu demontieren. Nach umfangreichen Vorbereitungen wurde das Brückenelement angehoben, über die Marktstraße geschwenkt und am Boden für den Abtransport zerlegt. Das Ganze geschah unter der Ägide des Pfullinger Brauchtumsvereins, dem der Ertrag der verwerteten Peoplemover-Bestandteile – insgesamt knapp 25 Tonnen – zugutekommen soll. Ganz verschrottet wurde dieser nicht. Einer der beiden Türme bleibt erhalten und soll künftig auf dem neuen Domizil des Brauchtumsvereins auf dem ehemaligen Hortense-Areal zu begutachten sein.

Der Peoplemover, entwickelt von der Firma Emil Schmid Maschinenbau aus Sonnenbühl, wurde im November 2001 in Betrieb genommen. Als einer von nur drei Prototypen in Deutschland ermöglichte er Fußgängerinnen und Fußgängern, die damals stark befahrene Marktstraße barrierefrei zu überqueren. Die Kabine bot Platz für bis zu acht Personen und bewegte sich zunächst vertikal, dann horizontal über die Straße und schließlich wieder nach unten – eine Fahrt dauerte rund 30 Sekunden.

Anfangs erfreute sich der Peoplemover großer Beliebtheit: Rund 500 Fahrgäste täglich nutzten die Anlage. Doch mit den Jahren traten technische Schwierigkeiten und hohe Instandhaltungskosten auf. Ersatzteile für den Prototyp waren kaum verfügbar, die Technik galt als veraltet. 2009 beschloss die Stadt, den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen. Seit 2023 liefen dann intensive Gespräche über den Rückbau, der nun in enger Zusammenarbeit zwischen dem Hersteller, dem städtischen Bauhof und dem Pfullinger Brauchtumsverein erfolgt ist. 

„Der Peoplemover war ein Symbol für technischen Erfindergeist und Innovationsfreude und zugleich ein Stück Pfullinger Geschichte“, betont Stefan Wörner. „Auch wenn sein Betrieb längst eingestellt war, verbinden viele Pfullingerinnen und Pfullinger mit dem ‚Nomlupfer‘ besondere Erinnerungen. Deshalb freue ich mich, dass ein Turm erhalten bleibt, und danke unserem Bauhof und insbesondere dem Brauchtumsverein sehr für die gute Zusammenarbeit und das außergewöhnliche Engagement in dieser Sache“, so der Bürgermeister.