Fachwerkhäuser in der Innenstadt

Aktuell

Zeitkapsel in Pfullinger Hallen eingebracht

Sanierung fast fertig

Klassischerweise finden sich Zeitkapseln in Grundsteinen wieder – gewissermaßen als ersten Schritt des neuen Baus eingemauert, um dort Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte zuzubringen. Im Falle der Pfullinger Hallen fehlt jedes Wissen um eine solche Ergänzung des Grundsteins. Und darüber hinaus lässt sich heute nicht mehr mit Gewissheit sagen, wo genau sich der Grundstein der „guten Stube“ der Stadt überhaupt befindet. Wem also der klassische Weg nicht offensteht, muss Alternativen finden: Die Stadt und das Architekturbüro Wurst haben die aktuelle Sanierung der Pfullinger Hallen genutzt und eine solche Alternative aufgetan. Seit dieser Woche hat nun eine Zeitkapsel im Gemäuer der Hallen, dort wo bislang der Briefkasten zur Hausmeisterwohnung war, ihren vermeintlich ewigen Platz gefunden.

Die Zeitkapsel kurz vor der Einbringung im Gruppenbild mit Stadtarchi-var Stefan Spiller, städt. Projektleiterin Carolin Veith, Architekt Eber-hard Wurst, Bürgermeister Stefan Wörner und Stephan Straush vom Architekturbüro Wurst (v.l.).
Die Zeitkapsel kurz vor der Einbringung im Gruppenbild mit Stadtarchivar Stefan Spiller, städt. Projektleiterin Carolin Veith, Architekt Eberhard Wurst, Bürgermeister Stefan Wörner und Stephan Straush vom Architekturbüro Wurst (v.l.).

Zur Einbringung der Kapsel fand sich am Dienstag eine kleine Delegation von Stadtmitarbeitenden, den Architekten und der lokalen Presse zusammen. Die Zeitkapsel, maßgeblich befüllt von Stadtarchivar Stefan Spiller, beinhaltet unter anderem einen Stadtplan, einen Satz Euromünzen, den jüngsten städtischen Jahresrückblick und eine aktuelle Ausgabe des Echaz-Boten. Architekt Eberhard Wurst, der die laufenden Sanierungsarbeiten verantwortet, hat Pläne beigesteuert und Bürgermeister Stefan Wörner ein Grußwort verfasst, das den Bogen über die (Sanierungs-)Geschichte des Bauwerks bis zu seiner heutigen kulturellen Bedeutung für die Stadt spannt.

Bürgermeister Stefan Wörner und Architekt Eberhard Wurst mit der Zeitkapsel.

Der Brief des Bürgermeisters an die künftigen Bürgerinnen und Bürger von Pfullingen beginnt mit den Worten: „Im Sinne des Grundsatzes „Schützen durch Nützen“ wurden die Pfullinger Hallen als herausragendes Baudenkmal des beginnenden 20. Jahrhunderts in den vergangenen Monaten denkmalgerecht und zukunftsfähig saniert – eine nicht nur baulich, sondern vor allem finanziell bedeutende Maßnahme mit Kosten von rund 2,3 Millionen Euro. Damit wurde der Grundstein für eine vielfältige Nutzung der Pfullinger Hallen auch in den nächsten Jahrzehnten gelegt.“

Die neue Heimat der Zeitkapsel: Hinter der datierten Platte befand sich einst der Briefkasten der Hausmeisterwohnung

Im April 2022 begannen die umfangreichen Sanierungsarbeiten an dem historischen Bauwerk, die nun auf die Schlussgeraden einbiegen. Diverse Brandschutzmängel galt es zu beseitigen inklusive Einbau einer flächendeckenden Brandmeldeanlage. Die bisherige Küche wurde durch eine moderne, leicht verkleinerte Catering-Küche ersetzt. Der dadurch gewonnenen Raum ließ sich nutzen für zwei Umkleidekabinen mit Duschen und Toiletten, die nicht nur von der Turnhalle aus, sondern auch von den Spielfeldern im Freien direkt erreichbar sind – ein echter Gewinn insbesondere für den Sportunterricht der benachbarten Laiblinschule.

Die neue Catering-Küche

Ein Hauptaugenmerk war auch die Situation der sanitären Anlagen, die schon lange mit Blick auf Lage und Anzahl der Toiletten den Veranstaltungen einer Festhalle dieser Größe nicht mehr gerecht wurden. Dieses Problem ist nun gelöst, die Menschentrauben vor dem Nadelöhr Toilettentüre gehören der Vergangenheit an: Auf Ebene der Hallen gibt es nun barrierefrei erreichbare WCs und im Untergeschoss, anstelle der bisherigen Hausmeisterwohnung, einen großzügigen Toilettentrakt, der bei Bedarf mehreren hundert Besuchern gewachsen ist. Auch im Festsaal selbst tat und tut sich einiges. Eine neue Veranstaltungstechnik ist bereits eingebaut: als nächstes folgen noch die Arbeiten am Holzboden und ein neuer, moderner Bühnenboden.

Der neue großzügige Toilettentrakt für Besucherinnen und Besucher der Hallen, der sich nun um Untergeschoss anstelle der ehemaligen Hausmeisterwohnung befindet.

Die letzte umfassende Sanierung der Pfullinger Hallen fand in den 1980er-Jahren statt. Hintergrund waren damals nicht nur die gestiegenen Anforderungen durch die größer werdende Pfullinger Bürgerschaft, sondern auch ganz konkret entstandene Schäden durch ein Erdbeben. Für knapp 2,8 Mio. D-Mark wurden etwa das Dach saniert, die faltbare Trennwand eingebaut, die Außenfassade gereinigt, neue Fenster eingesetzt und vor allem die Wandgemälde restauriert.

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