• 25.05.2019
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Die Geschichte der Partnerschaft mit Lichtenstein/Sachsen

Die Wurzeln der Partnerschaft mit der Stadt Lichtenstein in Sachsen reichen bis ins Jahr 1990 zurück. Der damalige Direktor Wolfgang Tschentscher sowie der Mathematik- und Physikfachlehrer Günter Boritzky der erweiterten Oberschule in Lichtenstein, dem Gymnasium, waren damals auf der Suche nach einer Schulpartnerschaft in Westdeutschland. Da lag es nahe, einen Ort mit dem gleichen Namen zu suchen und so stießen die Sachsen auf Pfullingens Nachbargemeinde Lichtenstein im Oberen Echaztal. Weil diese jedoch kein Gymnasium hat, wurden sie nach Pfullingen weitervermittelt. Pfullingens Ehrenbürger und damaliger Schulleiter am Friedrich-Schiller-Gymnasium, Theo Götz, empfing die Pädagogen freundlich. Bei dem Besuch lernte die kleine Delegation das breite Spektrum des Schulangebots in Baden-Württemberg sowie die Stadt Pfullingen mit ihren Sehenswürdigkeiten und historischen Fakten näher kennen.

1991 wurden dann die ersten Bande auf Verwaltungsebene geknüpft und Bürgermeister Sedner stellte seine Stadt im Gemeinderat von Pfullingen vor. Ein erster Erfahrungsaustausch unter Verwaltungsfachleuten ergänzte das Besuchsprogramm.

In den Jahren danach folgte ein reger Austausch, insbesondere auf Verwaltungsebene, damit die Stadt Lichtenstein, auf deren Wunsch, beim Aufbau ihrer Kommunalverwaltung unterstützt werden konnte. So war Altstadtbaumeister Fritz Jordan 1993/1994 längere Zeit in Lichtenstein, um sein Wissen und Knowhow im Baudezernat einzubringen. Auch der städtische Bauhof, unter damaliger Leitung von Siegfried Pudelko, leistete einen wichtigen Beitrag zum Aufbau eines leistungsfähigen Bauhofes in Lichtenstein. Neben Organisatorischem stellte die Stadt Pfullingen verschiedene gebrauchte Baugeräte der Stadt Lichtenstein zur Verfügung.

Die Freiwillige Feuerwehr Pfullingen unterstützte die Lichtensteiner Feuerwehr bei Vorbereitungsmaßnahmen und Entwicklungskonzepten zum vorbeugenden Brandschutz, in der Brandbekämpfung und bei den Planungen für den Neubau eines Feuerwehrhauses.

Der Gemeinderat der Stadt Pfullingen informierte sich im Oktober 1993 in Lichtenstein über die Stadt, die Menschen und die Infrastruktur. 1996 folgte die Erste Sächsische Landesgartenschau in Lichtenstein, die Herr Jordan mit vorbereitet hatte. Pfullinger Bürgerinnen und Bürger reisten mit ca. 200 Personen nach Sachsen. Dabei gestalteten die Pfullinger auf der Landesgartenschau einen „Pfullinger Tag“, der ein voller Erfolg war.

Anlässlich der Feierstunde „10 Jahre Deutsche Einheit“ reiste im Jahr 2000 erneut eine Delegation aus Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürger aus Pfullingen nach Lichtenstein. Der erste frei gewählte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, hielt die Festrede in der Feierstunde. Bürgermeister Rudolf Heß, damals auch als Vertreter des Gemeindetages Baden-Württemberg, sprach ein Grußwort in der Laurentiuskirche. Weitere Besuche und Gegenbesuche schlossen sich seither an.

Begründung der Partnerschaft

Seither wurde der Wunsch nach einer offiziellen Städtepartnerschaft immer stärker. Am 29. September 2012, nach über 20 Jahren freundschaftlicher Beziehung, besiegelten Lichtensteins Bürgermeister Wolfgang Sedner  und Pfullingens Bürgermeister Rudolf Heß die offizielle Städtepartnerschaft bei einer Feierstunde im Deatz-Centrum Lichtenstein. 180 Vertreter aus Pfullingen waren Zeuge dieses Ereignisses und der Männergesangverein Eintracht sowie der Chor ffortissimo des Liederkranzes gestalteten das Programm mit.

Am Samstagmorgen, den 29. September 2012, zeigten die Lichtensteiner der Pfullinger Delegation ihre Heimat. Ein Nachtwächter, ein Stadtschreiber und ein Herold führten durch die Stadt und berichteten Interessantes aus den 22 Jahren seit der Wiedervereinigung. Eine andere Gruppe ließ sich die Dauerausstellung internationaler Holzbildhauerkunst und Holzschnitzkunst aus fünf Kontinenten im Deatz-Centrum zeigen. Weitere Teilnehmer war beeindruckt von der „Miniwelt“, einer Freiluftanlage mit den Miniaturnachbildungen der weltberühmtesten Gebäude, die u.a. auch den Pfullinger Schönbergturm beinhaltet.

Nach dem Festakt bot sich die Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein auf dem Altmarkt in der Stadtmitte, bevor der Lichtensteiner Gesangverein zu seinem Herbstkonzert in die Laurentiuskirche einlud. Der Abend gehörte dann ganz den Pfullinger Vereinen. Die Mitgereisten boten entweder einen Bühnenprogrammpunkt dar oder wurden von der Moderatorin, Frau Beigeordneten Dagmar Hamann, vorgestellt. Peter Rist schloss das Abendprogramm mit einem Konzert und guter Unterhaltung ab.

Nach dem Festgottesdienst am Sonntag zum Erntedank, stieß Bürgermeister Heß, nach sächsischer Tradition, das Festbier an, bevor es dann wieder „Lebe wohl“ hieß und sich die Pfullinger beeindruckt von den Erlebnissen auf die Heimreise machten.