• 15.11.2018
  • 21:36
Auszug aus der Sagenwelt: Bild des "Füllens" (Fohlen) in der Drille
  • Das "Füllen" (Fohlen) wird in der Drille gedreht, bis es die gestohlenen Äpfel wieder "ausspuckt".

"Füllesdriller" - der Spitzname der Pfullinger

Pfullinger und Reutlinger können sich von alters her bekanntlich nicht so recht leiden. Deshalb wird auch von beiden Seiten jede Gelegenheit genutzt, den Städtenachbarn zu ärgern. Will einer den Reutlingern "an Duck anedo", so nennt er sie "HischheanIa mit ern LatenIe" (HirschhörnIe mit der Laterne), und die Reutlinger regen sich meistens sehr darüber auf; aber leider ist es eben eine Tatsache, dass die Reutlinger nur ein gerissenes "R" sagen können. Übrigens - im Vertrauen gesagt - das bei den alten Pfullingern so typische rollende "R" ist bei den jüngeren inzwischen nahezu ausgestorben! Aber auch die Pfullinger haben natürlich ihren Spitznamen, nämlich "Füllesdriller".


Und das kam so: Einst gab es in Pfullingen eine "Drille", eine Art Karussell, die wohl unweit der Rathäuser in der Griesstraße aufgestellt war. Man erzählt aber auch von einer weiteren Drille, die in der Gegend des heutigen Friedhofs gestanden haben soll. Vor allem Obstdiebe, aber auch andere Zeitgenossen, die etwas angestellt oder ausgefressen hatten, wurden zur Strafe in die Drille gesperrt.


Eines Tages konnte man ein Reutlinger "Füllen" (Fohlen) auf den Pfullinger Steinge-Wiesen (heutiges Industriegebiet) friedlich weiden sehen. Ob es nun von seiner Weide auf Reutlinger Markung ausgebrochen war oder ob der Reutlinger Bauer, dem das Füllen gehörte, es absichtlich auf Pfullinger Markung weiden ließ, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen. Jedenfalls passierte die ganze Geschichte an einem schönen Herbsttag, kurz vor der Obsternte, als das Füllen an den übervollen Obstbäumen Gefallen fand. So kam es, dass eine ganze Anzahl von Bäumen bis zum Spätnachmittag nahezu abgeerntet war.


Als sich das Füllen den Magen reichlich mit Pfullinger Obst gefüllt hatte und den Heimweg antreten wollte, erschien der Pfullinger Besitzer des Grundstückes. Entsetzt stellte er fest, dass es für ihn fast nichts mehr zu ernten gab. Da es aber ein fester Grundsatz der Pfullinger ist, den Reutlingern nur ja nichts zu schenken, wurde das Füllen kurzerhand vom aufgebrachten Bauern nach Pfullingen gezogen und in die Drille gesperrt. Darin wurde es so lange gedrillt, bis es sich übergeben musste und das ganze Obst wieder ausgespuckt hatte. Jetzt konnte das Füllen "leichten Magens" wieder heimwärts nach Reutlingen traben! Unglücklicherweise wurde der ganze Vorgang mit der Drille von einigen Reutlingern beobachtet. Und so nennt man die Pfullinger noch bis zum heutigen Tag "Füllesdriller".